Schwächung des Immunsystems

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Raucher sind ständig oder zumindest häufig erkältet – was zunächst wie eine Stigmatisierung wirken mag, ist tatsächlich wissenschaftlich begründet. Die häufigen Erkältungen liegen nicht etwa darin begründet, dass der Raucher nach draußen in die Kälte gehen muss, wenn er Lust auf eine Zigarette bekommt. Vielmehr ist die Schwächung des Immunsystems dafür verantwortlich, die durch den Wirkstoff Nikotin bedingt bei Rauchern auftritt. Er bewirkt, dass das körpereigene Abwehrsystem nicht mehr effizient auf Erreger reagieren kann und diese den Menschen daher leichter erkranken lassen können.

Neutrophile Granulozyten: Angriffsfläche für Nikotin

Die neutrophilen Granulozyten sind eine Gruppe von Immunzellen, die im Knochenmark gebildet werden. Dort werden sie einer Differenzierung unterzogen und sollen anschließend im Blut Erreger aufspüren und erkennen. Je nachdem, welchen Erreger sie ausmachen, werden entsprechende weitere Immunzellen als Reaktion darauf ausgeschüttet und die Abwehrreaktion des Körpers beginnt. Durch Nikotin wird die Zellgruppe der Neutrophile jedoch in ihrer Suchfunktion beeinträchtigt und lässt weitaus mehr Erreger in den Körper eindringen, als sie sollte. Dadurch werden Raucher häufiger krank und fangen sich immer wieder Bakterien, Viren und seltener auch Pilze ein.

Beeinträchtigung der Differenzierung

Neuere Erkenntnisse über die Neutrophile haben gezeigt, dass die Beeinträchtigung des Immunsystems bereits im Knochenmark beginnt. Dort wird die Zellgruppe differenziert und aus den Neutrophilen werden spezifische Immunzellen, die dazu in der Lage sind, bestimmte Erregertypen zu erkennen. Durch die Zufuhr von Nikotin schlägt die Differenzierung der Immunzellen jedoch fehl und sie sind nicht dazu in der Lage, Eindringlinge zu erkennen und sie einer Art zuzuordnen. Dadurch erfolgt die Immunantwort des Körpers später – und zwar dann, wenn der Raucher bereits die ersten Symptome der Infektion bemerkt. Denn Neutrophile reagieren deutlich langsamer, die Immunantwort lässt auf sich warten und fällt in einigen Fällen sogar schwach aus, sodass Infektionen lange anhalten.

Das Immunsystem nach dem Rauchstopp

Sobald der Raucher sich entschließt, mit dem Rauchen aufzuhören, wird sich die Schwächung des Immunsystems mit der Zeit bessern. Das hängt jedoch auch mit der Nikotindosis zusammen, die dem werdenden Nichtraucher noch zugeführt wird. In der Zeit, die er noch mit Nikotinpräparaten überbrückt, kann sich keine Besserung einstellen, da die Dosis für einige Zeit fast unverändert bleiben wird. Erst, wenn sie niedriger ausfällt oder nach einiger Zeit ganz weggelassen werden kann, ohne dass starke Entzugserscheinungen auftreten, kann sich das Immunsystem nach und nach erholen und wird seine alten Abwehrmechanismen wieder herstellen.

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